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Autofahrer als Melkkuh der Nation: Wahrheit oder Jammerei?

Auto

Das Auto ist in Deutschland nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel. Zum 1. Januar 2015 zählte das Kraftfahrt-Bundesamt 44,4 Millionen zugelassene Pkw und 60,4 Millionen Fahrzeuge. Mit den Plänen zur Pkw-Maut...

...ist die Debatte um die Autofahrer als Melkkühe der Nation wieder voll entbrannt. Doch werden Autofahrer hierzulande wirklich überdurchschnittlich stark belastet oder ist das nur übliche Lobbyarbeit und allgemeines Jammern auf hohem Niveau? In diesem Artikel sollen beide Seiten der Medaille näher beleuchtet werden, um letztlich zu einem erstaunlichen Ergebnis zu kommen.

Autofahrer spülen Staat viel Geld in die Kassen
Die Einkünfte des Staates durch Autofahrer können unabhängig von allen anderen Faktoren zweifellos als hoch angesehen werden. So taxiert das Bundesfinanzministerium die Einnahmen aus der Mineralölsteuer für 2013 auf ca. 33 Milliarden Euro. Die Kfz Steuer brachte im gleichen Jahr noch einmal ca. 8,3 Milliarden Euro für den Staat. Dies ergibt Gesamtkosten von ca. 41,3 Milliarden Euro an staatlicher Belastung. Bezogen auf die 60,4 Millionen Fahrzeuge liegen die durchschnittlichen Kosten pro Fahrzeug also bei ungefähr 684 Euro jährlich.

Kosten für Autofahrer noch deutlich höher
Wer ein Auto fährt, muss neben den Steuern jedoch auch noch viele weitere Kostenträger hinnehmen. So wird die durchschnittliche Jahresprämie für die verpflichtende Kfz Haftpflicht bei Statista mit 237 Euro pro Jahr beziffert. Wer sich zusätzlich für eine Kaskoversicherung entscheidet, muss noch einmal zwischen 86 Euro (Teilkasko) und 292 Euro (Vollkasko) pro Jahr zahlen. Eine weitere Statistik auf Statista zeigt zudem durchschnittliche Kosten für Kraftstoff von 100 Euro pro Monat im Jahr 2013. Für den einzelnen Autofahrer ergeben sich damit folgende Durchschnittskosten pro Jahr:

Kostenpunkt Betrag
Steuern 684 Euro
Kfz-Haftpflicht 237 Euro
Vollkasko 292 Euro
Sprit (um 50% Steueranteil bereinigt)
600 Euro
Gesamt 1.813 Euro


Die Durchschnittswerte ergeben also ungefähr jährliche Durchschnittskosten für Autofahrer in Höhe von 1.813 Euro. Diese Durchschnittsbetrachtungen können natürlich mitunter deutlich von den Einzelfällen abweichen. Das Portal Steuerkfz rechnet beispielsweise die Kfz-Steuer in individuellen Fällen aus und Kfz Versicherungen variieren ebenfalls in der Höhe ihrer Beiträge. Darüber hinaus verbrauchen gerade Pendler oftmals deutlich mehr Kraftstoff und werden somit auch vom Staat stärker zur Kasse gebeten.

Investitionen in Verkehrsinfrastruktur werden vernachlässigt
Trotz des hohen Steueraufkommens aus Kfz-Steuer und Mineralölsteuer wurden die Verkehrsinvestitionen des Bundes in den letzten Jahren laut einer im Spiegel zitierten Studie stark vernachlässigt. Demnach hätte der Bund in den Jahren 2006 bis 2011 jährlich 4 Milliarden Euro zu wenig in die Erhaltung von Brücken und Straßen investiert. Daraus ergebe sich aktuell eine Lücke von 6,5 Milliarden Euro pro Jahr, hieß es weiter.

Kosten Pkw-Maut

Die Investitionen in die Bundesverkehrswege betragen seit Jahren ca. 10 Milliarden Euro pro Jahr, während jährlich über 40 Milliarden Euro durch die Autofahrer in die staatlichen Kassen gespült werden. Offensichtlich findet hier eine sehr starke Zweckentfremdung der Mittel statt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • der jährliche Nachholbedarf bei Verkehrsinvestitionen liegt laut einer Studie bei 6,5 Milliarden Euro pro Jahr
  • die Investitionen des Staates in die Bundesverkehrswege verharrt seit Jahren trotz hoher Steuereinnahmen bei ca. 10 Milliarden Euro pro Jahr

Kosten für Straßenverkehr deutlich höher Steuereinnahmen?
Nach einer Studie der TU Dresden, die der Online-Auftritt der Zeit veröffentlicht hat, verursachten Autofahrer auf deutschen Straßen durch Unfälle und Klimaschäden jährliche Kosten von 88 Milliarden Euro. Laut Studienautor Udo Becker vom Lehrstuhl der Verkehrsökonomie der TU Dresden müsste jeder Kilometer mit einer zusätzlichen Gebühr von 5 Cent belegt werden, um dem Verursacher-Prinzip im Bereich der Klimaschäden näher zu kommen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wies diese Ansicht zurück und verwies gleichzeitig auf Studien, die deutlich geringere externe Kosten des Straßenverkehrs errechneten.

Die wichtigsten Fakten zur Studie:

  • der Straßenverkehr verursacht externe Kosten von 88 Milliarden Euro
  • der Studienautor äußerst die Idee einer zusätzlichen Gebühr von 5 Cent pro Kilometer, um das Verursacherprinzip umzusetzen

Fazit: Autofahrer finanzieren erheblichen Teil des Bundeshaushalts
Die Aussage über Autofahrer als Melkkühe der Nation hat zumindest dahingehend ihre Berechtigung, dass sie jährlich über 40 Milliarden an Steuergeldern zahlen und damit ca. 13,7% des Bundeshaushaltes (2015: 299,1 Milliarden Euro Ausgaben) finanzieren. Die Verkehrsinvestitionen liegen dagegen mit 10-15 Milliarden Euro pro Jahr deutlich niedriger. Zusätzlich stehen mit der Pkw-Maut neue Kosten ins Haus. Auch wenn die Mautkosten durch eine niedrigere Kfz-Steuer zunächst ausgeglichen werden, ist nicht gesagt, dass dies auch immer so bleiben wird.

Eine Studie der TU Dresden weist jedoch darauf hin, dass Autofahrer enorme externe Kosten verursachen und demnach eigentlich noch deutlich höhere Kosten tragen müssten. Unter dem Strich liegt die Wahrheit also wohl irgendwo in der oftmals goldenen Mitte. Als unbestreitbarer Fakt lässt sich jedoch festhalten, dass Deutschland dringend höhere Verkehrsinvestitionen benötigt, um die eigene Verkehrsinfrastruktur und damit die eigene Wirtschaftskraft auch dauerhaft erhalten zu können.

Bilder: Auto-und-Motors.de

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